Was eine Demokratische Bewegung Braucht
- Rechenschaft
- Demokratische Organisationsstruktur
Wenn eine Organisation, die behauptet mehr Demokratie zu wollen, sehr um eine Person konzentriert ist, ist das ein Widerspruch. Das ist besonders problematisch, wenn diese Person ein weißer Mann ist, denn das zeigt wenig Bewusstsein von den strukturellen Problemen unserer Gesellschaft, die unsere Demokratie untergraben. Wir brauchen kein neues Bilianzsystem, sondern genug Bescheidenheit unter den Privilegierten, dass sie bereit sind, zurückzutreten und mal zuzuhören. Ideen, die das Gemeinwohl betonen, sind ja schon da. Amartya Sen and Martha Nussbaum haben den Fähigkeitenansatz entwickelt (englische Erklärung), der sich, ähnlich wie GWÖ, auf das Wohl des Menschen und der Gemeinschaft ausrichtet. Wie Felwine Sarr vorschlägt, müssen wir das westliche System durch einen Paradigmenwechsel ändern oder, wie Sarr es sieht, sogar ersetzen. Diese Stimmen tauchen in der GWÖ nicht auf – und wurden, soweit ich weiß, auch nicht mal gehört. Deshalb empfand ich die Idee als neuen Wein in alten Schläuchen… Die Hierarchien, die momentan, die Demokratie untergraben, müssen hinterfragt werden – ansonsten werden neue Ansätze nur in das bestehende System absorbiert und es ändert sich nichts. Zu diesen Hierarchien gehören eben nicht nur solche, die auch weiße Männer erfahren – also zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern – sonder auch andere zwischenmenschliche, die durch rassistische, sexistische, und andere vorurteilsbeladene Ideen kreiert und erhalten werden.
Dies geschieht am Besten innerhalb eines allumfassendem System von Rechenschaft, durch das die Kritik von Menschen, die nicht an der Macht sind – wie Schwarze, Menschen of Color, Frauen, oder non-binäre Menschen – wirklich gehört und aufgenommen wird. Das ist immer wichtig, denn die Gefahr besteht, dass ein neues System von dem alten untergraben wird, da wir uns nicht der oft subtilen Einflüsse der alten Denkweisen bewusst sind. Rechenschaft verlangt daher eine aktive Auseinandersetzung mit möglichen Gefahrenstellen. Dazu können auch Fragen, wie diese, dienen:
- Wie geht das neue System bestehende Ungerechtigkeiten an? Werden die offen wahrgenommen und angegangen oder ignoriert?
- Welche Stimmen werden integriert? Nur die von weißen Männern oder auch die von Frauen of Color? Fühlen sich diese Menschen wirklich gehört?
- Wird der Rat von machtloseren Menschen aktiv gesucht?
- Wird Bescheidenheit gezeigt oder die Antwort(en) als endgültig präsentiert?
Zum Beispiel bin ich mir sicher, dass ich in diesem Aufsatz einiges vergessen habe. Um meine Ideen jetzt zu verwirklichen, muss ich sie öffentlich machen und dann von anderen erweitern, revidieren, und integrieren lassen. Ich kann dann meinen Namen nicht mehr dranhängen. Demokratische Ideen können nicht vollständig nur von einer Person entwickelt werden. John Dewey warnte schon davor. Er schlägt daher einen Prozess vor, in dem eine Idee in der Realität getestet wird und dann durch ein System von Rechenschaft verfeinert wird. Das kann nur funktionieren, wenn alle Stimmen gleichberechtigt sind und bestehende Ungleichheiten aktiv entgegengewirkt werden.
P.S.: Hier ist ein Video über die 16-jährige, die den Klimastreik in die USA bringt. Wir weißen Klimaaktivist*innen müssen ihr zuhören und ihre Vorschläge umsetzen, wenn wir Gerechtigkeit ernst nehmen wollen.
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